Willkommen an Bord

Führung in professionellen Organisationen ist wie ein Schiff durch hohe See zu steuern. Es gibt klare Regeln und Verantwortlichkeiten sowie einen abgesteckten Kurs. Doch immer wieder laufen Vorhaben und Projekte aus dem Ruder, Unvorhergesehenes und "Ungeplantes" gefährdet Termin und Ladung. Manchmal kommt dann der Lotse an Bord: ein qualifizierter und spezialisierter Berater des Kapitäns während der Fahrt zu einem unbekannten Hafen oder in tückischen Gewässern. Kapitän und Lotse bilden so für einige Zeit ein Team.

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Mittwoch, 03. September 2014

Augen auf beim Schulungs- Kauf!

Im 2. Halbjahr steht es meist an: das jährliche Mitarbeitergespräch. Da sind dann auch Vereinbarungen zur Personalentwicklung zu treffen - typischerweise wird eine "Schulung" vereinbart...

Trainings sind in der Personalentwicklung ein bewährtes und viel genutztes Mittel, um Fach- und Führungswissen zu vermitteln, Potentiale zu nutzen und auch Veränderungen zu begleiten. Aber sind sie auch wirksam?

Nach meiner Beobachtung ist manches Fortbildungsprogramm, in dem Führungskraft und Mitarbeiter ein Training für ihre Anforderungen oder Bedürfnisse suchen, nicht viel mehr als ein Seminarkatalog. Da wird dann bestellt, was gut aussieht, günstig ist oder einfach weil man es immer schon mal ausprobieren wollte. Und dabei ist die Zusammenstellung der Themen, die Auswahl der Trainer und die Verhandlung der Budgets ein Job, den die HR- Kollegen mit vollem Einsatz und hoher Effektivität machen.

Aber diese Energie verpufft, wenn Trainings nicht in die Bereichsstrategie eingebettet oder mit den Führungsgrundsätzen im Team abgestimmt sind. Schlimmer noch, wenn die gut gemeinten Seminarangebote sogar rebellisch machen, weil die Teilnehmer im Training erkennen, was alles gehen könnte oder theoretisch möglich wäre...

Ich erinnere mich da an ein Training "Führen in Veränderungsprozessen", wo bei den Erfolgsfaktoren Offenheit, Glaubwürdigkeit und Transparenz die Teilnehmer ihre Zurückhaltung aufgaben und Verbitterung gegenüber der Firmenkultur zum Ausdruck brachten. Wir änderten das Seminardesign und die Führungskräfte nutzen ihre Beobachtungen zu einer konkreten Arbeit:
Sie erarbeiteten die Punkte, die in Ihrem Unternehmen einer wirksamen Veränderung im Wege stehen würden. Von Standpunkt des praktischen Lerntransfers und der Motivation der Teilnehmer war das Training vorbildlich! Leider gab es nachher niemanden, der die erarbeiteten Punkte sehen, hören oder gar bearbeiten wollte. Die Verbitterung der Teilnehmer verhärtete sich so zu einem tiefen Frust.

Die HR Abteilung und ich als Trainer wurden zum Rapport bestellt und aufgefordert, „Aufwiegelungen der Mitarbeiter“ zu unterlassen. Dieses Beispiel zeigt für mich vor allem eines: gute Trainings sind ein wirksames Instrument der Personal-und Organisationsentwicklung. Aber wer dieses Potential nicht bewusst nutzt, sondern Mitarbeiter "mal hinschickt", oder als Teilnehmer "mal hingeht", der kann überrascht werden, in welche Richtung der, immer geforderte, Transfernutzen dann geht. Weil das Gegenteil von gut ja immer gut gemeint ist.

Bedenken sie also vor dem nächsten Mitarbeitergespräch: Wie sehr ist das geplante Seminar eigentlich in ihre Unternehmens- /Bereichsentwicklung integriert und vieviel "Neues" können sie aktuell eigentlich integrieren?


1 Kommentar

Samstag, 13. September 2014, 07:04

Christoph Schlachte hat gesagt ...

Ich war vor kurzem bei einem Vorstellungsgespräch um als Coach und Moderator in den "Unternehmens-Pool" mit aufgenommen zu werden. Meine Ansprechpartnerin, war Leiterin Personalentwicklung. Auf die Frage, welche Art von Führung den das "Ideal" in Ihrem Hause sei, konnte sie mir nicht beantworten - so dass es dann mir im Coaching überlassen bleibt das zu machen, wie ich "Lust" dazu habe. Ich finde es als Berater äußerst wichtig den Rahmen in dem die Organisation arbeitet und arbeiten will, zu kennen. Welche Art von Organisations-, und Führungskultur gibt es (offiziell/real)? Wie wird bei gutem Wetter zusammengearbeitet und wie bei schlechtem Wetter? Welche wichtigen Organisations-Themen gibt es und welche stehen an?

Personalentwicklungs-Maßnahmen, Trainings, Moderation, ... können nur etwas bringen, wenn sie in dem Kontext eingebettet sind und alle an einem Strang ziehen.

Doch ich denke auch, dass manche Massnahmen im Rahmen von den Entwicklungsgesprächen "mal so" vereinbart werden, damit man was für den Mitarbeiter tut und tun kann. Kann auch eine Lösung sein.

Grüße aus Burgthann, Christoph


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