Willkommen an Bord

Führung in professionellen Organisationen ist wie ein Schiff durch hohe See zu steuern. Es gibt klare Regeln und Verantwortlichkeiten sowie einen abgesteckten Kurs. Doch immer wieder laufen Vorhaben und Projekte aus dem Ruder, Unvorhergesehenes und "Ungeplantes" gefährdet Termin und Ladung. Manchmal kommt dann der Lotse an Bord: ein qualifizierter und spezialisierter Berater des Kapitäns während der Fahrt zu einem unbekannten Hafen oder in tückischen Gewässern. Kapitän und Lotse bilden so für einige Zeit ein Team.

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Montag, 29. September 2014

Generation Y als Chef? - ja bitte!

"Generation Weichei", faul, narzisstisch, Freizeitoptimierer und natürlich das böse Wort von Zombie, selten ist eine Generation so hart rangenommen worden, wie die Generation Y, die jetzt gerade die freiwerdenen Stühle in unseren Unternehmen besetzt.

Ich verstehe diese Sicht überhaupt nicht, denn das Verhalten der Generation Y ist doch klug, sinnvoll und mit der notwendigen Portion seemännischen Gelassenheit ausgestattet - einfach klasse finde ich.

In eine Arbeitswelt hineingeboren, die durch Trendbrüche, Finanzkrise, Ungewissheit und steigende Komplexität gekennzeichent ist, haben sie gelernt zu sondieren, in Alternativen zu denken und sich vorzutasten, statt den einzig wahren Weg konsequent (in die nächste Sackgasse) zu gehen.

Ich finde, die Titulierungen, die die derzeit an den Schaltstellen Sitzenden für die Generation Y finden, sagen viel mehr über die selbstbezogene Eitelkeit der Clubs aus, die die Titel vergeben, als über die Y'er selbst. Drei fallen mir da besonders auf:

  • der Professoren- Club, in dem Sit-Ins und Straßen-Blockaden wohl immer noch für die Hochämter der gesellschaftlichen Veränderung  gehalten werden. Logisch, dass sich da über die Angepasstheit der OK- Studierenden (Florin) beklagt wird, die als Generation Praktikum gelernt haben, einen Fuß vor den anderen zu setzen.
  • der Manager- Club der alten, weißen Männer (Sattelberger), der tagtäglich seinen Heldenkampf um Marktanteile und Zielerreichungsquoten kämpft und glaubt Frauenquoten seien ein Erfolg der Gleichberechtigung. Logisch, dass sich da über fehlenden Biss und mangelnden Einsatz "über das Übliche hinaus" bei Potentialträgern beklagt wird.
  • der Staats- Club, der bei jeder neuen Weggabelung nach kollektiven Versorgungslösungen ruft, um nicht selbst entscheiden und ins Risiko gehen zu müssen. Logisch, dass sich da über die Y- "Egotaktiker" (Hurrelmann) beklagt wird, die sich Ihrer Wünsche und Bedürfnisse bewusst sind und für sich sorgen können.

Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Generation Y in Führung geht und das Steuer in den Organisationen in die Hand nimmt. Wach und kooperationsbereit jonglieren sie mit unterschiedlichen Interessen, navigieren auf Sicht und bringen die Organisation Schritt für Schritt voran...

Das klingt sicher nicht so grandios wie die derzeit vorherrschenden Management Ideologien, aber hat eine Menge praktische Vernunft in sich. Statt sich in unnützen Spiegelfechtereien unter Alpha Tieren über den "richtigen Weg" zu verschleißen, leuchten sie lieber die Alternativen an der nächsten Weggabelung aus und bilden Koalitionen der Willigen auf Zeit.
Das ist vielleicht nicht der große Wurf, aber ressourcenschonend, klug und nachhaltig - so sieht echter Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen aus, liebe Aktivisten aus der Generation X!


5 Kommentare

Dienstag, 30. September 2014, 07:42

Olaf Hinz hat gesagt ...

Der Beitrag ist am 30.09. verändert und ein sehr peinlicher Schreibpfähläer korrigiert worden. Vielen Dank an zahlreiche aufmerksame Lotsenblogleser für den schnellen Hinweis.

Dienstag, 30. September 2014, 09:49

Sebastian Bernt hat gesagt ...

Vielen Dank für diesen schönen Artikel. Als Generation-Y'ler auf dem Weg in die Führung kann ich dem nur zustimmen. Mit den drei elitären Clubs bin ich auch schon in Berührung gekommen.

Dienstag, 30. September 2014, 12:01

Kerstin Kamphaus hat gesagt ...

Hallo Herr Hinz, ich finde es sehr erfrischend, mal die positiven Eigenschaften der kommenden Führungsgeneration zu beleuchten. Diese können in unternehmenerischen Veränderungsprozessen sehr hilfreich sein.

Herzlichen Gruss Kerstin Kamphaus

Dienstag, 30. September 2014, 12:20

Olaf Hinz hat gesagt ...

Danke Frau Kamphaus - ich finde nämlich auch, dass die Anpasungsleistung der Jungen viel zu wenig gewürdigt und als Kompetenz genutzt wird. So gesehen wäre die Generation Y ein Beispiel für gelungene Evolution...

Dienstag, 30. September 2014, 12:25

Olaf Hinz hat gesagt ...

und wie war die Berührung, Sebastian? Wenn ich solche Situationen beobachten darf, erlebe ich leider oft mehr Abgrenzung und Selbstreferenz als Interesse am anderen und echtes Fragen. Schade, denn gerade dann gäb es etwas zu lernen...


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